Das „gute alte Bauchgefühl“, über das unsere Gastautorin Janetta Cordier in ihrem neuesten Artikel schreibt, ist heute und in Zukunft mehr denn je gefragt, denn heute bestimmen KÖNNER, ob ein Projekt erfolgreich wird oder nicht und nicht diejenigen, die am meisten WISSEN.

Aber was hat Können mit Bauchgefühl zu tun? Sehr viel! Können ist eben nicht der bloße Transfer von Wissen in die Praxis, sondern manifestiert sich nur durch die untrennbare Einheit mit dem richtigen Gespür für Problemlösungen. Und Können ist natürlich auch immer mit Erfolg verbunden, ansonsten wäre es das nicht, sondern bloßes Wollen.

Fakten und Wissen 

Es werden neue Mitarbeitende eingestellt. Alle fokussieren sich auf die Candidate Experience, eine sensationelle Candidate Journey von der Idee eine Stelle zu besetzen bis zum Ende der Probezeit oder noch länger. Kandidaten durchlaufen Testverfahren, erledigen „Business Cases“, und sprechen mit allen Stakeholdern und Teammitgliedern. Am Tage X wird aus dem besten Kandidaten der neue Mitarbeitende  und sollte eigentlich ein perfekter Fit sein. Und dann wird  doch nicht geleistet,  was  erwartet wurde oder der neue Mitarbeitende passt doch nicht ins Team. Die Enttäuschung ist auf beiden Seiten groß. Das Unternehmen – HR, Führungskraft und Team  – hat viel Zeit und Geld investiert; der neue Mitarbeitende hat einen Job gekündigt oder andere Chancen abgesagt.   

Ist wirklich jeder, der aus einem Vogelhaus essen kann, ein Vogel? 

…ich habe es ja geahnt … 

Und dann wird die erste Stimme laut: „Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl.“   Aber in der Welt von KI, New Work, Agilität und Digitalität bedarf es schon eines sehr ausgeprägten Selbstbewusstseins, um sich gegen alle Testverfahren zu stellen und zu formulieren: „Ich habe kein gutes Bauchgefühl.“ Aber am Ende ist es genau dieses i-Tüpfelchen für die Frage, ob die Entscheidung/die Einstellung ein Erfolg oder Misserfolg wird. Wenn mein Gefühl sagt, das passt, gehe ich mit einer positiven Haltung auf den neuen Mitarbeitenden zu, teile gerne mein Wissen, fühle mich mit von Beginn an verbunden. Sagt mein Gefühl nein, erkenne  und konzentriere ich mich eher auf das Unperfekte, die Defizite, die nun mal jeder Mensch in sich trägt. 

KI, Tests und Aufgaben in allen Schattierungen sind im Einstellungsprozess ein probates Mittel, aber ich ermutige alle Beteiligten – Arbeitgeberseitig und Kandidaten – diesen Tests nur zu vertrauen, wenn das persönliche Empfinden mit den Testergebnissen übereinstimmt. Sollte das nicht der Fall sein, sprechen Sie Ihre Bedenken an und diskutieren Sie diese mit den Beteiligten.  

Bauchgefühl als Teil der Sozialkompetenz 

Wer auf sein Bauchgefühl vertraut, dieses überhaupt zulässt, hat für sich wesentliche Aspekte der sozialen Kompetenz entwickelt: gesunder Menschenverstand, Intuition und Einfühlungsvermögen. Diese helfen nicht nur bei Personalentscheidungen, sondern oft auch bei unternehmerischen Weichenstellungen. Wenn die Faktenlage dagegen spricht, aber das Gefühl dafür, ist neben dem Kopf die Intuition gefragt.  

Dabei weise ich ausdrücklich daraufhin, dass Bauchgefühl nichts mit diskriminierenden Ansichten zu tun hat. Wer nicht mit Frauen, Männern, anderen Religionen oder Hautfarben zusammen arbeiten will, hört nicht auf sein Bauchgefühl, sondern sollte sein Wertesystem überprüfen und anpassen. Überhaupt ist Vorsicht geboten: Denn das Bauchgefühl hat nur auf den Gebieten eine gute Einsatzmöglichkeit, in denen ich mich auskenne. Als Personalerin und Juristin höre ich auf mein Bauchgefühl, wenn es um Entscheidungen geht, die den Werdegang von Menschen betreffen, Aber es ist fehl am Platz, wenn ich z. B. zur Entwicklung von Medikamenten oder den Einsatz von Chemikalien gefragt werde.  

Bauchgefühl und Methodik als Entscheidungsgrundlagen 

Die Grenzziehung zwischen Intuition und Selbstüberschätzung gepaart mit Euphorie ist fließend und bedarf Erfahrung und Wissen. Intuition ist angeboren, Wissen und Erfahrung antrainiert. Daher sollten Profis in Ihren Kompetenzfeldern auch ihrer Intuition folgen und nicht nur auf Fakten und Analysen vertrauen. Im Idealfall kommen Verstand und Bauchgefühl zu vergleichbaren oder gleichen Entscheidungen. Sollte dieses nicht der Fall sein, lohnt sich ein Hinterfragen, bevor entschieden wird. In jedem Falle aber bedarf es einer erheblichen Portion Mut und Selbstbewusstsein, um eine getroffene Entscheidung nicht nur mit Fakten, sondern auch mit der Intuition, dem guten alten Bauchgefühl zu begründen. 

Sprechen Sie mich an, wenn Sie Entscheidungen zu treffen haben. Mit meiner Ausbildung als systemischer und hypnotherapeutischer Coach sowie eigener langjähriger Management – und Strategieerfahrung stelle ich mit Ihnen die Verbindung zwischen Ratio und Intuition her und gebe Sicherheit in Entscheidungssituationen. 

Janetta Cordier – Strategieberaterin –Personalerin- Rechtsanwältin-Coach 

Über die Autorin:

Janetta Cordier  ist freiberufliche Personalerin mit Leib und Seele, Herz und Verstand. Ihr Praxiswissen beruht auf langjähriger Erfahrung in der KMU- und Konzernwelt. Sie arbeitet nicht mit vorgefertigten Konzepten, sondern analysiert die jeweilige Unternehmenssituation und entwickelt kreative Lösungen, die Unternehmen und Menschen Wertschätzung entgegenbringen.

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